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ChromeCast

Deutlich weniger umschwärmt als die New Age-Brille Google Glas kam vor kurzem ein kleines Gerät von Google auf den Markt, welches dennoch kurz- bis mittelfristig einen größeren Einfluss als die hippe Brille haben wird. Die Rede ist vom Internet-TV-Stick ChromCast.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, wie AppleTV von Google. Aber als langjähriger Apple-TV Nutzer war es für mich nur eine Frage der Zeit, bis dieses von Apple so schmählich vernachlässigte Produktsegment von einem potenten Konkurrenten attackiert wird. Der letzte Versuch mit iTunes-Match weitere Gewinne über einen vermeintlichen Komfort-Mehrwert zu erzielen, endete für mich persönlich in einem Desaster größeren Ausmaßes. Und dabei meine ich nicht die 40 Euro, die ich Apple für ein vollkommen miserables Produkt bezahlt habe, sondern die vielen Stunden, die es brauchte, meine Musik-Bibliothek wieder zu reparieren.
AppleTV war und ist eine Plattform mit der Apple seine Inhalte zu vermarkten sucht. Das es dabei auch für Apple nicht gewinnbringende Dienste wie Youtube, Vimeo und Flickr mit anbietet, ist wohl eher notgedrungen (oder vielleicht zahlen diese Dienste ja sogar heimlich an Apple…?).

Seit einiger Zeit werden bereits günstige Internet-TV-Sticks beim Technik-Anbieter Pearl angeboten die technisch sehr vergleichbar mit dem ChromeCast sind und sogar wie dieser auf der Android-Plattform basieren. Also doch nichts Neues von Google, sondern nur alter Wein in neuen Schläuchen? Ich glaube das nicht.

Aspekte:
– Pearl erreicht nur eine Handvoll Technik-Freaks mit seinen Produkten. Über die Qualität der Nutzer-Oberflächen dieser Geräte mag sich jeder sein eigenes Bild machen.
– Apple sieht AppleTV offensichtlich nicht als strategische Plattform, sondern als Gewinn-Mitnahme-Markt
– Die Fernseh-Hersteller sind (aus historischen Gründen?) offensichtlich nicht in der Lage eine vernünftige Oberfläche für Web-Inhalte in ihre Geräte zu integrieren. Ich finde die Bedienung meines 3D-High-End-Gerät mit „Magic Remote“ einfach grauenhaft. Entsprechend verwundert es nicht, dass fast niemand mit so einem Gerät diese Dienste nutzt. (Siehe aktuelle Studie der Bitkom)

Was treibt also Google in diesen Markt? Sein Geschäft mit dem Vertrieb von(Medien-)Inhalten über Google Play zu steigern? Also doch ein AppleTV-me-too? Ich glaube das nicht.

So wie ich die Nutzungsverhalten-Analyse-Strategie (um dem ganzen einen möglichst neutralen Namen zu geben…) von Google beurteile, ist man vielmehr darauf aus, das Fernsehgerät als letzte mächtige Nicht-Web-Werbe-Bastion anzugreifen. Man muss verstehen, dass Google zwei Kundengruppen hat. Zum einen Sie und mich und jedermann, die wir auf Google suchen. Aber wir zahlen nichts. Woher kommt dann Google’s Reichtum? Von den anderen Google-Nutzern: den Werbetreibenden. Ich glaube nicht, das die Käufer des ChromeCast’s die (wirklich) zahlenden Kunden dieses neuen Produkts sein werden. Wahrscheinlich verschenkt Google den Stick nicht, damit es nicht so auffällt. Aber wenn bald individualisiertes, clickable real-time product placement in allen Sendungen, inklusive dem Tatort und der Tagesschau auf ihren Fernsehbildschirmen erscheint, werden Sie wissen, was ich meine…
P.S.: Wo bleibt nur Amazon? Good Morning, Jeff.